Mit prominenten Gästen bei zwei Songs und philosophischem Konzept auf ganzer Länge melden sich Mildreda zurück: Das belgische Dark-Electro-Duo veröffentlicht am 28. August über Dependent sein neues Album Realities auf zwei CDs und digital.
Die zentrale Frage des vierten Longplayers lautet: Was ist Realität? Ein Thema, das Philosophen seit Jahrhunderten beschäftigt und im Zeitalter von Virtual Reality, künstlicher Intelligenz und digitaler Parallelwelten aktueller denn je erscheint. Für Mildreda-Mastermind Jan Dewulf ist das kein zufälliger Ansatz – der Belgier hat Philosophie studiert und verarbeitete bereits auf dem Vorgänger Blue-Devilled (2023) Gedanken des Existenzialismus. Während dort Jean-Paul Sartre als Inspirationsquelle diente, schwebt über Realities nun der Geist Albert Camus'. Auch der Mythos von Sisyphos prägt das Album: „der endlose Kreislauf des Scheiterns und Neuanfangens“ sowie das Gefühl einer latenten Sinnlosigkeit bilden den thematischen Unterbau.
Mildreda emotionaler und vielseitiger
Musikalisch schlägt sich das in einem Werk nieder, das laut Label das bislang emotionalste der Band ist. Mildreda würden „Farben und Emotionen einführen, die man normalerweise nicht mit einem Genre verbindet, das von kalter, harter Elektronik geprägt ist“. Gleichzeitig erweitern die Belgier ihren Sound deutlich über die klassischen Grenzen des Dark Electro hinaus, ohne ihre Wurzeln in EBM und belgischer Elektroniktradition zu verleugnen.

Calva Y Nada und Suicide Commando dabei
Dass Realities als Doppelalbum erscheint, war ursprünglich gar nicht geplant. Doch die Menge an Material und Ideen führte letztlich dazu, dass die Geschichte auf zwei CDs erzählt wird. Zusätzlichen Reiz erhält das Werk durch die Gastbeiträge zweier bekannter Namen: Johan Van Roy von Suicide Commando ist auf Virtual Goddess zu hören, während Breñal von Calva Y Nada dem deutschsprachigen Stück Rückwärts seine markante Stimme leiht.
Für Mildreda setzt sich damit eine bemerkenswerte Entwicklung fort. Was Mitte der 1990er als Jugendprojekt von Jan Dewulf begann und mit dem Demo De Laffe Denker erste Underground-Kreise zog, entwickelte sich nach der Wiederbelebung des Projekts und dem Wechsel zu Dependent zu einer festen Größe im modernen Dark Electro. Vorläufiges Highlight: Das laut Label bislang ambitionierteste, innovativste und zugleich zugänglichste Werk. Die krachige erste Single End Of The Line bekam einen schicken Clip.