Laibach machen wieder das, womit niemand rechnet. Oder doch? Fakt: Mit Musick, ihrem ersten Studioalbum mit ausschließlich neuem Material seit Spectre (2014), bricht das slowenische Kollektiv erneut mit Erwartungen. Das Album erscheint am 1. Mai 2026 via Mute auf Vinyl, CD und digital.
Schon der Titel trägt das Konzept in sich: Musick steht für Übersättigung und Überdruss – für die Sickness, die Musik in Zeiten von täglich über 100.000 neuen Releases und KI-generierten Tracks auslösen kann. Gleichzeitig beschreibt das Album aber auch die Kehrseite: „eine Obsession, eine Art Droge“, die Laibach laut Mute Records weiterhin antreibt. Zwischen Kritik und hyperaffirmativer Überzeichnung entsteht ein grelles Werk, das sich der „verzerrten Realität und grellen KI-Nachahmung“ widmet – und diese zugleich spielerisch spiegelt.

Pop als Strategie und Übertreibung
Dass Laibach dabei wieder einmal stilistische Grenzen einreißen, zeigt sich deutlich in der Sammlung unwiderstehlich eingängiger Pop-Songs, die sich genüsslich in der „hyper-driven postmodernity“ bewegen. Pop als Strategie, als Tarnung, als Übertreibung – und als bewusster Regelbruch. Die erste Single Allgorhythm (feat. Wiyaala) brachte es auf den Punkt: ein „gewagtes Mash-Up elektronischer Pop-Tropen“, das die manipulative Kraft von Algorithmen und Musik gleichermaßen thematisiert. Dass der Track zwischenzeitlich sogar als möglicher Eurovision-Beitrag gehandelt wurde, unterstreicht den kalkulierten Tabubruch.
Im Studio in Ljubljana verfolgte die Band einen radikal maximalistischen Ansatz, arbeitete mit allem verfügbaren Instrumentarium – von analogen Synths über Spielzeug bis zu überladenen Sound-Apps – und tauchte tief in aktuelle Strömungen wie K-Pop, J-Pop oder 90er-Eurodance ein. Und doch bleibt der Kern unverändert: Laibach höchstselbst. Musick ist damit vieles zugleich: bunt, überladen, reflektiert – und vor allem ein weiteres Beispiel dafür, wie Laibach Erwartungen unterlaufen, um genau darin ihre künstlerische Freiheit zu behaupten.
Laibach live 2026
Nach dem Release gehen die Slowenen auf Tour. Überraschungen nicht ausgeschlossen! Die Termine in unserer Nähe:
18.05. AT-Graz, Orpheum
19.05. Schorndorf, Manufaktur
20.05. Köln, Essigfabrik
30.05. PL-Warschau, Progresja
31.05. CZ-Prag, Palac Akropolis
02.06. Leipzig, Täubchenthal
03.06. München, Muffathalle
06.10. Bochum, Zeche
08.10. Hamburg, Große Freiheit 36
13.10. Berlin, Huxleys Neue Welt
14.10. Dresden, Reithalle Strasse E