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Detroit, Michigan (USA). Die Metropole, der eine bekannte Spielart der elektronischen Musik ihren Namen verdankt, ist zugleich die Heimat einer Band, die mit Techno weniger gemein hat als Donald Trump mit Mutter Teresa – oder täuscht der erste Eindruck?

Ritual Howls, deren offizielles Debütalbum Turkish Leather 2014 bei Felte erschienen ist, setzen zwar in erster Linie auf traditionelle Saiteninstrumente wie Bass und Gitarre, doch ohne Drumcomputer und Synthesizer klängen die Resultate ihrer musikalischen Selbsterkundungstrips nicht annähernd so faszinierend, wie sie es tun.

Rausch ohne Drogen

Obwohl sich die Band eher der Tradition von Joy Division und deren Sänger Ian Curtis verpflichtet fühlen dürfte, sind ihr die repetitiven Rhythmen eines Jeff Mills und die ergreifenden Soundtrack-Kompositionen eines Ennio Morricone alles andere als fremd. Der Klang, den Ritual Howls erzeugen, ist ebenso betörend wie verstörend. Kreiert wird eine unvergleichliche, von warmherziger Monotonie geprägte Atmosphäre, die tief im Inneren der Seele verborgene Instinkte weckt.

Der Hörer fühlt sich wie Zemmoa, die Hauptfigur des Openers. Zemmoa ist bis über beide Ohren hinweg verknallt, sie kann einfach nicht genug bekommen. Wo auch immer sie auftaucht, überall drehen die Kerle durch. Was alle eint, ist die Hoffnung, sie in der kommenden Nacht endlich einmal nach Hause begleiten zu dürfen – sowie die innere Zerissenheit, die jedoch vor allem jene trifft, deren Hoffnungen unerfüllt bleiben.

Turkish Leather ist wie ein funkelndes Polarlicht am tiefschwarzen Firmament. Es ist das klangästhetische Äquivalent eines schwarz-weiß kolorierten Stummfilm-Westerns, ein grandioses Stück finsterer Musik. 

[2014] [Felte]

7.5Energy10Atmosphere8.5Catchyness9Editor's Rating
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