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Wer davon überzeugt ist, früher sei alles besser gewesen, der glaubt wahrscheinlich auch, dass Knecht Ruprecht am Nikolaustag ein neues Sisters-Album aus dem Sack hervorzaubern wird – notfalls mit Gewalt. Pustekuchen! Da der Glaube Berge versetzt, ist gegen derartige Überzeugungen zwar grundsätzlich nichts einzuwenden – wer glaubt, der wird immerhin selig –, wenn da nur dieses eine Problem nicht wäre: Wer alles glaubt, der hat ganz einfach den Schuss nicht gehört. Das Beste wird er so garantiert verpassen.

Hört die Signale
Was einmal war, mag gut und schön gewesen sein, doch längst sind aus dem Dunkel des Vergangenen neue Gesichter hervorgetreten. Darunter fünf aus Köln: Holygram, die 2016 mit einer nach sich selbst benannten EP von sich reden machten. Sie haben jetzt ihr erstes Album vollendet.

Der Weg dorthin führte über Italien, besser gesagt nach Bassano del Grappa. Dort betreibt Maurizio Baggio das Tonstudio La Distilleria, wo vor Kurzem die Songs des kommenden Boy-Harsher-Albums Careful abgemischt wurden. Auch Holygram profitierten von Baggios Expertise; mit ihm zusammen produzierten sie ihr Debütalbum Modern Cults – und liefern am 9. November ihr Meisterstück ab, das ein kleines Meisterwerk ist.



Nachts im Museum
Mit Modern Cults treten Holygram bewusst in große Fußstapfen. Das Album ist eine wundervolle Hommage an den düsteren Sound der 1980er-Jahre, an Post-Punk, New Wave und Goth Rock, ein vom ersten bis zum letzten Ton durchdachtes musikalisches Kunstwerk. Hier geht es nicht etwa darum, den Soundtrack vergangener Tage nachzuspielen. Das beherrscht jede halbwegs talentierte Coverband.

Den Glanz von einst in die Gegenwart zu übertragen, ihm eine persönliche Handschrift zu verleihen und daraus etwas Eigenes zu erschaffen, das gelingt hingegen nur wenigen. Holygram gehören dazu – vielleicht auch deshalb, weil Sänger Patrick Blümel genau weiß, wie man Kunst modern inszeniert und wie man sie ansprechend und ästhetisch präsentiert.




Blümel hat in Bonn Kunstgeschichte studiert, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Max Ernst Museum in Brühl. Mit moderner und zeitgenössischer Kunst kennt er sich bestens aus. An Ausstellungen wie The World Of Tim Burton und Mirós Welt der Monster hat er kuratorisch mitgewirkt; das Bewährte mit dem Modernen zu vereinen, gehört zu seinen Aufgaben.

Bei der Kunstvermittlung mit Augmented-Reality-Apps zu experimentieren, um neue Zielgruppen für Museumsbesuche zu begeistern, ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, auch das nicht Offensichtliche zu entdecken – das sind Fähigkeiten, die, bewusst oder unbewusst, in Modern Cults eingeflossen sein dürften.

Jenseits aller Spekulationen bleibt zweifellos festzuhalten: Solange es Bands wie Holygram gibt, die Songs wie A Faction, Signals und Still There schreiben, wird das scheinbar Vergangene auch in Zukunft relevant sein.

[2018] [Oblivion]

8Energy9.5Atmosphere9Oldschool-Factor9Editor's Rating


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CD-Rezension, Review, Kritik
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