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DJ Niggels Interview -
Abends und nachts DJ Niggels aus Passion, tagsüber Veranstalter zur Lebenshaltung, aber auch aus Passion: Seit 2009 ist der Münsteraner selbstständig, arbeitet für diverse Clubs und veranstaltet selbst. Dann kam Corona und nun teilt er sein Schicksal mit vielen anderen der Branche. Von jetzt auf gleich von hundert auf null – zumindest finanziell. Musik spielt in seinem Leben noch immer eine tragende Rolle. Doch auf andere Weise: DJ-Sets – unter anderem von seinen legendären Electrofixx-Partys – gibt’s als Mitschnitt bei Soundcloud, Playlists bei Spotify, die Party als Stream bei Twitch.tv. Und das Bierchen wird abends zu Hause vorm Laptop getrunken, beispielweise beim digitalen Treff mit VOLT.
Randnotiz: Niggels’ Mutter (Ü80) wurde unbemerkt Zeugin des heiteren Geplauders (siehe unten).

Und dann stand der Tourbus von Nitzer Ebb vor der Tür


volt interview van bloomenDer Schein trügt: Es ist nach 18 UhrWie hart trifft dich der Lockdown?
Richtig hart. Bei mir ist alles weggebrochen. 70 bis 80 % des Einkommens sind futsch. Ich kann froh sein, dass ich noch eine branchenfremde Nebentätigkeit habe.

Was und wo?
Ich mache Buchhaltung und Bürokram bei einer Glaserei.

Zumeist bist Du aber auf dem Hawerkampgelände, Ort für viele Kulturschaffende in Münster, unterwegs. Wie sieht es dort derzeit aus?
Das Gelände selbst ist in Trägerschaft eines Vereins, der es irgendwann mal von der Stadt übernommen hat. Die Betreiber der vielen Clubs – Sputnikhalle, Triptychon oder Fusion Club – haben keine Einnahmen mehr, während weiterhin Kosten auflaufen. Das ist schon sehr schwierig. Für alle, auch für den Verein selbst.

Auch echte Musikfans trifft die Krise in mancher Hinsicht härter als andere, da sie häufig ihr ganzes Jahr um Events herum planen, die wichtige Bestandteile des Lebensgefühls sind ...
Wer sich für Musik und Subkultur interessiert, für den sind Clubs und alles, was drumherum passiert, ein zentraler Punkt im Leben. Ich merke am Feedback, dass das den Leuten fehlt. Dabei geht es nicht nur darum, Musik und Alkohol zu konsumieren, sondern andere Leute zu treffen. An einem jeden Wochenende.

„Ich weiß jetzt mehr zu schätzen, was ich hatte.“ Niggels


Welche Emotionen lösen Musik oder Erinnerungen an Festivals und Partys dieser Tage bei dir aus?
Ich weiß jetzt mehr zu schätzen, was ich hatte. Da waren geile Ritte dabei, die vermisse ich. Vor ein paar Tagen machte sich das besonders bemerkbar. Da feierten wir das 25. Jubiläum von Tanz der Vampire auf Twitch.tv und mir ging der Arsch zwischendurch schon ein bisschen auf Grundeis. Ich ging dann raus, um eine zu rauchen. Wir hatten zumindest indirekt Kontakt mit den Leuten und ein richtiges DJ-Pult aufgebaut, so, als wäre es eine echte Party – das hat es realer gemacht. Dabei kann man schon mal emotional werden.


Denkst du, wir werden uns irgendwann auf Festivals oder Partys so wiedersehen, wie wir es kennen? Oder werden Corona und die lange Feier-Abstinenz etwas am Verhalten der Leute ändern?
Ich denke schon, dass das zurückkommen wird, allein schon deshalb, weil die Leute danach hungern. So ein – in Anführungszeichen – Ottonormalpartygänger, der vielleicht nur zwei- oder dreimal im Jahr rausgegangen ist, um sich mit seinen Kumpels einen zu zimmern, der wird das nicht so vermissen. Bei dem besteht vielleicht auch die Gefahr, dass er mit seiner Couch verwächst und nie wieder rausgeht.
Aber Leute, die sich aktiv interessieren und viel unterwegs waren, die werden den Clubs die Türen einrennen. Möglich ist allerdings auch, dass viele zunächst verunsichert und zögerlich reagieren. Aber das glaube ich nicht so recht.



Du bist schon sehr lange „dabei“. Woran erinnerst du dich besonders gern?
An Vieles. Letztens hat ein Bekannter bei Facebook ein Livevideo von Swamp Terrorists in Salzbergen 1991 gepostet. Das war im Sax, dem ersten Laden, in dem ich aufgelegt habe. Und das war eins der ersten von mir mitorganisierten Konzerte, mit Steril als Vorgruppe. Die kannte ich damals als Brieffreunde und wusste, dass die auch Musik machen. Ich hatte sie als Support eingeladen – so „hey, kommt mal rüber und macht mal Vorgruppe!“ Ich meine, das war deren zweites Konzert überhaupt.
Oder diese Depeche-Mode-Convention in Berlin vor etwa zehn Jahren. Da waren De/Vision und Nitzer Ebb quasi meine Vorgruppen ... ziemlich cool. Und Martin Gore und Andy Fletcher waren auch da, weil sie NEP sehen wollten. Depeche Mode selbst spielten tags darauf im Olympiastadion. Das waren echte Hausnummern, und da könnte ich endlos weitererzählen …




… von Nitzer Ebb bei der Electrofixx-Party zum Beispiel?
Hardcore! Das schlimmste Schneegestöber überhaupt, mit Blitzeis. Und der dicke Niggels steht aufm Hawerkamp und winkt einen Nightliner rein! Wir hatten an diesem Abend offizielle Releaseparty zum Industrial Complex-Album. Zwei Tage vorher schrieb mich der Tourmanager an und fragte, ob man bei uns einen Nightliner parken und mit Strom versorgen könne. Tags zuvor spielten Nitzer Ebb in Dresden und einen Tag nach unserer Party in Lille, als Support von Depeche Mode – da liegt Münster fast auf dem Weg! Der Manager sagte, dass sie vorbeikämen, sofern das mit der Pause des Busfahrers passt. Es passte.

Und wir war’s?
Wegen des Scheißwetters – das war im Januar – waren nicht so viele Leute da. Peinlich für eine Releaseparty von Nitzer Ebb! Aber alle hatten ihren Spaß. Ein Bekannter von mir, der bei der Kölner Oper arbeitet, hatte alle meine NEP-Videos aufgemotzt. Die habe ich auf der Party über den Beamer laufen lassen. Bon Harris war ganz perplex und fragte, wo ich die in dieser Qualität herhätte. „Die will ich auch haben!“, sagte er. Also gab ich ihm beim nächsten Konzert eine DVD. Und Douglas … war an diesem Abend auf eigenen Pfaden unterwegs. Ich glaube, der hatte einen Schnappes oder so.

Was vermisst du im Moment am meisten?
Hier in der Vierteilkneipe ein schönes frisches Gezapftes trinken. Das fehlt wirklich!

„Ein schönes Frischgezapftes – das fehlt wirklich!“ Niggels


Apropros Gezapftes: du haust dir als Münsteraner Lokalmatador den ganzen Abend Störtebeker rein. Ist das dein Lieblingsbier? Warum trinkst du kein lokales, da gibt’s doch sicher genug?
Pinkus, Pott’s und Rolinck sind aus der Region, aber Störtebeker mag ich halt, das habe ich mir extra bestellt. Frisch-herb muss es bei mir sein. Ein Stammbier habe ich nicht, bin Querbeettrinker. Alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, wird getrunken. Ich probiere auch gerne mal was Neues aus oder gehe ins The James hier in Münster – ein englisches Pub, das auch Biere importiert. Die fahren nach England und klappern die kleinen Brauereien ab. Da zahlt man für einen Pint auch mal sechs oder sieben Euro, hat dafür aber was Exklusives am Hals.

Was wirst du als Erstes machen, wenn es denn wieder erlaubt ist?
Paaaarty! Ich wäre glücklich, wenn vielleicht ab Oktober wieder Partys möglich wären. Da ist Hochsaison, beispielsweise an Halloween, was immer sehr umsatzstark ist, fast stärker als Silvester.

digitales bier mit dj niggels
Niggels’ Mum
Zu Beginn des Videochats klingelte das Telefon: „Wir sprechen später, Mutti. Tschüss!“
Doch sie blieb unbemerkt in der Leitung und hörte im Glauben zu, ihr Sohn würde sich in einer Art öffentlichem Talk befinden. Kommentar im Anschluss: „Von Nitzer Ebb hattest du damals schon so viele Poster in deinem Kinderzimmer hängen.“ Mit der Materie ist sie durchaus vertraut: Ein Konzert der Tour Of The Universe von Depeche Mode, da war sie 75, besuchte sie gemeinsam mit Niggels. Bei den vorangegangenen Terminen waren Nitzer Ebb noch Vorband. Niggels‘ Mum schon damals: „Die hätte ich auch gern gesehen.“



Worth reading: Niggels als Gastkritiker des 2019er Albums Wake Up The Coma von Front Line Assembly, das in großer → Expertenrunde diskutiert wurde.



www.facebook.com/dj.niggels
open.spotify.com/user/dj.niggels
 


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